Akustik im Büro richtig planen: Von Bestandsanalyse zum maßgeschneiderten Schallkonzept

Offene Bürolandschaften bringen Menschen zusammen und genau das ist ja oft gewünscht: mehr Austausch, schnellere Abstimmungen, mehr Teamgefühl. Gleichzeitig erleben viele Unternehmen ein wiederkehrendes Problem: Der Geräuschpegel steigt und mit ihm die Unruhe. Telefonate, spontane Gespräche, Meeting-Schnipsel, Laufwege: Alles mischt sich zu einer Dauer-Kulisse.

Der entscheidende Punkt: Es geht nicht darum, „Open Space wieder abzuschaffen“. Die Lösung liegt in einer durchdachten Akustik im Büro, in einem Schallschutz-Konzept, das zu Ihren Arbeitsweisen passt und Ihre Mitarbeitenden entlastet. Dabei hilft ein klarer Prozess, den wir hier in fünf Phasen durchgehen werden.

Phase 1

Die akustische Bestandsanalyse – Wo stehen Sie heute?

Identifikation von Problembereichen

Jedes Büro hat eigene akustische „Hotspots“. Der erste Schritt ist deshalb ganz simpel: einmal bewusst hinhören und systematisch notieren, wo Geräusche wirklich stören. Machen Sie dafür eine kurze Begehung zu unterschiedlichen Tageszeiten. Am besten dann, wenn das Büro typisch genutzt wird.

 

Achten Sie besonders auf diese Bereiche:

  • Open Space Bereiche: Hier treffen konzentrierte Arbeit und Austausch direkt aufeinander.
  • Meetingräume: Oft dringt Sprache nach außen, oder innen wird es anstrengend zu verstehen.
  • Telefonzonen: In hybriden Teams sind sie häufig ein Dauerbrenner.

Damit Sie nicht nur die „gefühlte Lautstärke“ bestimmen, hilft eine einfache Standortbestimmung mit drei Fragen:

  1. Nachhall: Klingt der Raum lange nach, wenn jemand spricht?
  2. Lärmpegel: Ist es dauerhaft laut, oder sind es einzelne Spitzen (Küche, Drucker, Laufwege)?

Tipp: Kombinieren Sie Ihre Beobachtung immer mit der Situation. Was ist gerade passiert, als es störend wurde? Genau das macht spätere Maßnahmen treffsicher.

Ein Punkt wird oft unterschätzt: Mitarbeiterfeedback. Ein kurzes, strukturiertes Stimmungsbild aus dem Team zeigt sehr schnell, welche Tätigkeiten am meisten leiden und wo dringend Handlungsbedarf besteht.

Bauliche Gegebenheiten als Chance begreifen

Viele Büros sind akustisch herausfordernd, weil sie modern gebaut sind. Häufig entstehen Echos und ein hoher Geräuschpegel, weil Schall nicht absorbiert, sondern reflektiert wird. Viel Glas, glatte Wände, hohe Decken und wenige textile Flächen tragen zusätzlich dazu bei. Das ist kein „Fehler“, sondern ein typisches Ausgangsbild moderner Büroflächen. Da sich dies negativ auf die Konzentration auswirken kann, sollte hier gezielt gegengesteuert werden.

Der Trick ist, diese Gegebenheiten nicht als Problem zu sehen, sondern als Planungsgrundlage:

  • Wie groß ist der Raum und wie hoch ist die Decke?
  • Welche Materialien dominieren, eher harte oder eher weiche Flächen?
  •  Wie wird die Fläche genutzt und welche Bereiche werden am stärksten genutzt?
  • Sind die Räumlichkeiten gemäß den Tätigkeiten aus akustischer Sicht sinnvoll belegt?

Phase 2

Zielsetzung und Anforderungsdefinition

Normen können Orientierung geben. Entscheidend ist aber, was Ihr Büro im Alltag leisten soll. Ein Kreativteam arbeitet anders als ein Controlling-Bereich. Deshalb lohnt es sich, akustische Ziele so zu definieren, dass sie die unterschiedlichen Aufgaben und Arbeitsweisen der Teams unterstützen und im Arbeitsalltag spürbar sind.

Ein guter Mix besteht aus:

  • Orientierungswerten anhand gängiger Richtlinien wie Dezibel (dB(A)) – sie geben einen belastbaren Rahmen für Planung und Bewertung. Für konzentrierte Büro-/Kopfarbeit gilt z. B. nach ASR A3.7: Der Beurteilungspegel sollte 55 dB(A) nicht überschreiten; für die raumakustische Auslegung und Büroklassifizierung wird häufig ergänzend auf VDI 2569 zurückgegriffen.
  • klaren Effekten im Alltag, damit die Maßnahmen nicht nur „technisch gut“ sind, sondern sich in Konzentration, Kommunikation und Wohlbefinden spürbar auszahlen.

Beispiele für alltagsnahe Ziele:

  • Vertrauliche Gespräche sollen nicht am Nachbartisch „mitgehört“ werden.
  • Telefonkonferenzen sollen nicht die Arbeitsplätze daneben stören.
  • Teams sollen sich austauschen können, ohne dass der gesamte Bereich unruhig wird.

Intelligente Budgetplanung: Phasierte Umsetzung als Erfolgsstrategie

Akustik muss nicht „alles auf einmal“ bedeuten. Eine phasierte Umsetzung, also die zeitlich gestaffelte Einführung, ist oft die beste Strategie, weil Sie schnell Entlastung schaffen und später gezielt ausbauen können.

Mobile Stellwände, Akustikvorhänge, Akustikscreens/-trennwände an Schreibtischen oder bewusst platzierte Elemente [KW5.1]in Problemzonen. Auch Pflanzen können unterstützen, vor allem in Kombination mit anderen Maßnahmen.

Akustikpaneele im Büro an Wand oder Decke, passende Bodenbeläge, wie Teppichboden, der Schall absorbiert, eine Möblierung, die die Akustik im Raum verbessern.

Eine nach akustischen Kriterien optimierte Büroplanung mit Akustiklösungen für die Decke, Raum-in-Raum Systeme und weitere Maßnahmen, die sich in ein stimmiges Gesamtkonzept einfügen.

Phase 3

Lösungsentwicklung – Das passende Schallschutzkonzept

In dieser Phase wird aus Analyse und Ziel ein Plan. Akustik wirkt über Flächen und Zusammenspiel, nicht über einzelne „Deko-Elemente“.

Wenn Räume hallen, fühlt sich Arbeit schnell anstrengend an. Schallabsorption hilft, weil sie den Nachhall reduziert. Dadurch werden Gespräche weniger „tragend“ und der Raum wirkt insgesamt ruhiger.

Schallabsorber lassen sich grundsätzlich in zwei Typen unterscheiden: poröse Absorber (wirksam vor allem bei mittleren und hohen Frequenzen, z. B. Schaumstoff, Vlies) und Resonanzabsorber (gezielt für tiefe Frequenzen, z. B. als Bassfallen). Typische Lösungen sind Wandpaneele, Deckensegel, Stellwände oder Akustikbilder. Wie gut ein Produkt Schall aufnimmt, wird nach DIN EN 11654 in Absorberklassen von A bis E eingeteilt (A = höchste Wirksamkeit).

Akustikpaneele Büro, sinnvoll eingesetzt:

  • Wandpaneele helfen besonders dort, wo Gespräche entstehen.
  • Deckenlösungen wirken großflächig und sind oft der schnellste Hebel in offenen Bereichen.

Akustiksegel für flexible Raumaufteilung:

Freihängende Elemente können Zonen optisch und akustisch unterstützen, ohne dauerhaft zu trennen. Gerade in hybriden Arbeitswelten ist das häufig eine sehr praktische Lösung, weil dort sehr unterschiedliche Nutzungen parallel stattfinden.

Manchmal ist der Raum nicht nur „hallig“, sondern vor allem störend, weil Sprache überall ankommt. Dann hilft Abschirmung. Schallschutzwände im Büro können dabei sehr elegant sein, weil sie Ruhe schaffen, ohne den Raum optisch klein zu machen.

Je nach Bedarf gibt es drei typische Ansätze:

  • Systemtrennwände: wenn Bereiche dauerhaft getrennt werden sollen.
  • Mobile Stellwände: wenn Sie flexibel bleiben möchten.
  • Hybride Lösungen (z. B. Glastrennwände, teilhohe Wände oder Trennwände mit Sichtfenster): wenn Transparenz wichtig ist, aber trotzdem wirksamer Schallschutz benötigt wird.

Gute Akustik entsteht nicht nur durch Akustikelemente. Die wichtigste vorgelagerte Maßnahme ist eine durchdachte Büroplanung: Wenn der Raum sinnvoll geplant ist, liegen gesprächsintensive Zonen nicht direkt neben Bereichen für konzentriertes Arbeiten. Auch Einrichtung und Zonierung machen dann einen spürbaren Unterschied. Weiche Materialien nehmen Schall auf und beruhigen den Raum. Teppiche, Polstermöbel und sogar Pflanzen können unterstützen, besonders wenn sie strategisch eingesetzt werden.

Wichtig ist außerdem die Zonierung: Bereiche für Austausch dürfen lebendiger sein. Zonen für Fokus brauchen mehr Ruhe. Wer diese Logik im Grundriss abbildet, löst viele Probleme, bevor sie entstehen.

Für den schnellen und einfachen Rückzug im Open Space sind Raum-in-Raum-Lösungen eine starke Ergänzung. Sie schaffen Rückzug ohne große Baumaßnahmen und lassen sich später oft neu konfigurieren.

Phase 4

Materialauswahl und Produktberatung

In Phase 4 geht es darum, Lösungen auszuwählen, die im Alltag funktionieren. Entscheidend ist nicht nur die Optik, sondern auch die Wirkung, die Sicherheit und die Pflege.
S+W bietet Ihnen eine große Auswahl an Akustikprodukten und berät Sie passgenau zu Ihrem Vorhaben. Dabei setzen wir eine große Auswahl an qualitativ hochwertigen und wirksamen Akustiksystemen ein, um Ihre Arbeitswelt bestmöglich akustisch zu konditionieren. Der Produktauswahl liegt außerdem eine sorgfältige Akustikplanung zugrunde.

Typische Produktarten aus dem S+W Portfolio (je nach Bedarf kombinierbar):

  • Wand- und Deckenabsorber (Paneele, Deckensegel, Deckeninseln)
  • Akustische Screens für Schreibtische und Teamzonen
  • Akustikvorhänge als flexible, textile Lösung
  • Mobile Trennwände und Stellwandsysteme
  • Raum-in-Raum-Lösungen für Rückzug, Calls oder Meetings
  • Modulare, raumstrukturierende Möbel mit akustischer Funktion

Ausgewählte Hersteller aus unserem Portfolio:
Kvadrat, BAUX, Götessons, Mute Design, Creation Baumann, Impact Acoustic.

Vereinbaren Sie jetzt einen Beratungstermin und lassen Sie uns gemeinsam die optimale Lösung für Ihr Büro finden.

Qualitätskriterien für Schallschutz

Akustikmaterialien sollten nachweislich Schall aufnehmen. Als grobe Orientierung gilt: Je höher die Absorptionsleistung, desto stärker der Effekt. Der NRC-Wert (Noise Reduction Coefficient) beschreibt vereinfacht, wie viel Schall ein Material im Durchschnitt absorbiert. Je näher der Wert an 1,0 liegt, desto höher ist die Schallabsorption.

Gerade bei größeren Akustikinstallationen lohnt ein Blick auf Brandschutzklassifizierung und Schadstoffarmut. Das schützt Menschen und sorgt für ein gutes Raumgefühl.

Akustik ist idealerweise eine langfristige Verbesserung. Berücksichtigen Sie deshalb von Anfang an Reinigung und mögliche Austauschzyklen, vor allem in stark frequentierten Bereichen. Auch Nachhaltigkeit spielt dabei eine Rolle: Setzen Sie auf langlebige, reparierbare und möglichst recycelbare Materialien sowie auf Produkte mit transparenten Umweltangaben (z. B. Recyclinganteil oder EPD), um Ressourcen zu schonen und spätere Ersatzbeschaffungen zu reduzieren.

Phase 5

Implementierung und Installation

Installation im laufenden Betrieb: Möglich, aber durchdacht

Akustikmaßnahmen lassen sich häufig umsetzen, ohne den Betrieb lange zu stören. Der Schlüssel ist gutes Timing. Wandinstallationen sind oft auch während der Arbeitszeit machbar, wenn sauber koordiniert wird. Deckenarbeiten brauchen eher Randzeiten, Wochenenden oder ruhigere Phasen im Jahr.

Für eine reibungslose Umsetzung hilft eine kurze Checkliste:
Facility Management einbinden, IT vorab dokumentieren, damit Kabel, Anschlüsse und Geräte nicht versehentlich verdeckt oder beschädigt werden, Brandschutz informieren und Reinigungsservices briefen.

Die ersten Wochen: Gewöhnung und Nachoptimierung

Menschen reagieren sensibel auf veränderte Raumakustik. Nach einer Verbesserung wirkt ein Büro manchmal zunächst ungewohnt. Planen Sie deshalb eine Gewöhnungsphase von zwei bis vier Wochen ein. Danach lohnt sich ein kurzer Feedback-Check und bei Bedarf eine Nachjustierung.

Häufige Planungsfehler vermeiden

Der Flickenteppich-Effekt

Problem: Akustikelemente werden dort platziert, wo gerade Platz ist – nicht dort, wo sie akustisch wirken.

Lösung: Schallausbreitung verstehen und gezielt intervenieren.

 

Ästhetik vor Funktion

Problem: Schöne, aber wirkungslose Elemente verschwenden Budget und Vertrauen.

Lösung: Immer erst die akustischen Parameter klären, dann die Optik optimieren.

 

Der Spareffekt

Problem: Zu geringes Budget führt zu Kompromissen, die das Gesamtkonzept verwässern.

Lösung: Lieber in Phasen umsetzen, aber mit klarem Gesamtplan.

 

Top-down ohne Akzeptanz

Problem: Perfekte Technik scheitert an fehlender Nutzerakzeptanz.

Lösung: Teams von Anfang an einbinden und Entscheidungen transparent kommunizieren.

FAQ

Wenn Mitarbeitende häufiger ausweichen, Kopfhörer zur Pflicht werden oder Meetings „anstrengend“ wirken, ist das ein klares Signal. Auch wenn Gespräche im ganzen Raum verständlich bleiben, fehlt meist Abschirmung oder Absorption.

Am schnellsten wirkt eine klare Zonierung: Telefonate und Austausch bekommen einen festen Platz, Fokusbereiche werden geschützt. Kombiniert mit ein paar gezielt gesetzten Akustikelementen (z. B. Wand- oder Deckenflächen) spüren Teams oft sofort Entlastung.

Eine pauschale Zahl ist unseriös, weil Raumgröße, Materialien und Nutzung den Bedarf stark beeinflussen. Wichtig ist eher, an den richtigen Flächen anzusetzen (z. B. große Wand- oder Deckenbereiche), statt einzelne Elemente zu verteilen.

Sie sind sinnvoll, wenn Sprache weit trägt und Fokusarbeit regelmäßig gestört wird. Moderne Lösungen können transparent, mobil oder teiloffen sein und schaffen Ruhe, ohne das Büro optisch zu verkleinern.

Ja, in vielen Fällen sogar sehr gut. Mobile Stellwände, Akustikvorhänge, Teppiche und gezielte Akustikpaneele lassen sich oft im laufenden Betrieb nachrüsten und Schritt für Schritt ausbauen.

Ihr nächster Schritt zu besserer Akustik

Akustikplanung ist mehr als Lärmschutz – es ist Wohlfühlraumgestaltung. „Wir planen nicht nur Akustik – wir schaffen Wohlfühl-Arbeitsplätze, in denen Teams gerne zusammenkommen und konzentriert arbeiten können.“

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